FISCHBIER - HUI ODER PFUI?


Fisch ist gesund. Er enthält essentielle Omega-3-Fettsäuren sowie wichtige Vitamine und Mineralstoffe. "Essentiell" bedeutet, dass der menschliche Körper nicht zur Eigenproduktion in der Lage ist und es daher wichtig ist, diese Fettsäure zuzuführen. Der Mensch benötigt diese unter anderem zur Produktion von Hormonen, für die Eiweißsynthese, für die Immunabwehr und Vermeidung von Entzündungen sowie für elastische Haut und zauberhaft fluffig-schönes Haar.

 

Laut Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft essen 47% der deutschen Bevölkerung mehrmals täglich Fleisch und Wurstprodukte. Nur 16% ernähren sich gerne von Fischgerichten.

 

Womöglich war dies der Grund, weshalb sich die folgenden Brauereien dachten: Hey, brauen wir doch mal ein Fischbier*!

*Der Begriff "Fischbier" dient in diesem Artikel als Oberbegriff für verschieden-fischige Ausprägungen und hat deshalb einen gewissen Interpretationsspielraum. Damit ist nicht gemeint, dass die Biere fischig schmecken.

 

Obacht: Es handelt sich ausschließlich um leckere Biere, die hier vorgestellt werden!

 


AHOY-STER STOUT (Buddelship & Tilmanns Biere)
Oyster Stout (Buddelship & Tilmanns Biere)

1. Das Oyster Stout

 

Für Veganer und Vegatarier ungeeignet, für kulinarische Entdeckungsreisende eine echte Erfahrung: das Oyster Stout. Ja, hier wird mit richtigen Austern gebraut.

 

Diese werden vorab nach bester Qualität ausgewählt und kommen mit in den Braukessel.

Die Austern sollen dabei für eine besonders cremige Konsistenz sorgen und einen angenehmen Umamigeschmack.

 

Umami bezeichnet einen würzigen, Maggi-ähnlichen Geschmackseindruck, der neben süß, salzig, sauer und bitter existiert.

 

Das gemeine Oyster Stout hat eine dunkelbraune Farbe und hellbraunen Schaum.

Es riecht nach geröstetem Malz, süßlichem Karamell und ordentlichen Kaffeenoten.

Wie oben beschrieben hat es leicht würzige, minimal salzige Einschläge. Die Konsistenz ist recht cremig, was für ein samtweiches Gefühl am Gaumen sorgt.

 


Guinness
Guinness

2. Gebraut mit Fischblase

 

Der wohl bekannteste Vertreter der Brauweise "mit Fischblase" ist das weltweit getrunkene irische Dunkelbier, Guinness. Sicher hast du dir auch schon mal eines gegönnt.

 

Im Brauprozess wird hier eine Hausenblase verwendet, (Gelatine aus getrockneten Fischblasen) die zur Filtrierung des Bieres dient. Hausen bezeichnet eine spezielle Störart.

 

Doch Entwarnung: Guinness hat die Verwendung von Fischblasen vor Kurzem eingestellt, um neue Zielgruppen wie Veganer und Vegatarier für sich zu gewinnen.

 

Es gibt jedoch zahlreiche weitere Importbiere, die mit Gelatine oder Fischblasen geklärt werden.

In der EU unterliegt die Fischblase, die zur Klärung von Bier und Wein eingesetzt wird, keiner Deklarationspflicht. Alternativ filtrieren viele industrielle Großbrauereien mit einer Art Kunststoff Granulat, von dem Rückstände als Kleinstpartikel im Bier verbleiben - das der Konsument dann mit trinkt.

 

Ist die Frage, ob die Filtrierung mit Fischblasen nicht das kleinere Übel ist.


Er Boqleron - Lager mit Meerwasser
Er Boqleron - Lager mit Meerwasser

3. Mit Meerwasser gebraut

 

Er Boqleron ist ein spanisches Bier, das mit Meerwasser eingebraut wird. Die Brauerei liegt unweit der spanischen Mittelmeerküste, nahe Valencia. Klar, dass sich die Verwendung von Meerwasser anbietet.

 

Der geneigte Biertrinker muss jedoch keinen Salzschock erwarten. Das crispige, leicht würzige Lager besteht nur zu einem kleinen Wasseranteil aus Meer. So entsteht beim Trinken eher das sehnsüchtige Gefühl eines leichten, salzigen Windhauchs in der Kehle.

 

Boqleron bedeutet übrigens Sardelle. Ein Salud auf die Salzigkeit!

 


 

Wem das Oyster Stout oder mit Fischblase und Meerwasser eingebraut zu heftig ist und wer dennoch mit Bier und Fisch experimentieren möchte, der kann sich alternativ an ein unverfängliches Foodpairing wagen. Foodpairing heißt nicht mehr und nicht weniger als sich das passende Bier zum Fischgericht zu genehmigen.

 

Hierbei bieten sich besonders leicht gehopfte oder Biere mit einem Weizenanteil an. Ein helles Bier zum hellen Fisch umschmeichelt und hebt den Geschmack am geschmeidigsten. Ein dunkles, zu würziges oder zu alkoholisches Bier würde den Fisch zu stark dominieren und geschmacklich komplett überdecken.

 

Statt des typisch Deutschen Weizenbiers eignet sich die belgische Machart eines Weißbiers ganz besonders: das Wit. Es besitzt nicht diese schweren Noten von Banane, die wir von unserem Weizen kennen - und nicht allesamt lieben -, sondern kommt blass in der Farbe mit super britzeligen, leicht Kräuterbeet-mäßigen Noten von Orange und Koriander daher - was einfach an der Tatsache liegt, dass es mit frischer Orange und Koriander eingebraut wird.

 

Das Wit eignet sich auch hervorragend als Einsteiger-Bier, speziell für Personen, die für sich deklarieren kein Bier zu mögen.

 

Meine TOP 3 Wit Biere sind:

 

 

MOBY WIT


ratsherrn moby wit

 

Brauerei: Ratsherrn, Hamburg

 

Auch wenn der Bierstil auf der Flasche als Belgian White Ale bezeichnet wird, lasst euch nicht täuschen. Eines der weltbesten Wit Biere! Das einzige Manko: das Moby Wit ist ein saisonales Bier und gibts nur im Sommer zu kaufen.

BLANCHE DE NAMUR


bianche de namur

 

Brauerei: Brasserie du Bocq, Belgien

 

Dieses mehrfach ausgezeichnete zitrusfrisch-spritzige Wit hat schon viele weibliche Bierverachterinnen zu -liebhaberinnen konvertiert. Mega Zeug!

GYPSY GYP


gyp wit

 

Brauerei: Gypsy Inc./ De Proef Brouwerij, Belgien

 

Dank des Braufactum Verlags gibt es dieses leckere Wit Bier in vielen Supermärkten zu kaufen. Sanft, angenehm, süffig - ein supersolides Wit in einer dazu sehr schicken Flasche.