BEIM BIER BELAUSCHT | Warum sich Biertrinker mehr anstrengen sollten


In der Kolumne "Bei  Bier belauscht" hören wir ganz genau hin. Wir sperren die Horchlappen auf und riskieren einen Blick auf Menschen. Menschen, die Bier konsumieren: Biertrinker, Bierverkäufer, Bierhersteller, Bierliebhaber, Bierhasser - kurzum: Bierleute aller (Un)Art. Mit einem fetten Augenzwinkern und einer ordentlichen Schippe Ironie obendrauf versuchen wir (Rand)Gruppen nicht zu verstehen. Stattdessen schieben wir sie in die Schublade der Pandora, schließen dreimal fest zu und schlucken den Schlüssel genüsslich hinunter. 

Bitte habt nicht das leise Gefühl, persönlich angegriffen oder gar verarscht zu werden. Nehmt ein frisches Taschentuch zur Hand, denn eins können wir versprechen: das Gefühl wird LAUT. 

 

Starten wir also in unser erstes und ernstes Thema: Warum sich Biertrinker mehr anstrengen sollten.

Beginnen wir flauschig mit dem Warm Up. Mit einem Witz. Und der geht so:

 

Geht ein Mann in eine Craftbier Bar und bestellt: 'Ein Bier, bitte.'

 

Hahaha. Sehr lustig.

Denn wo Komik ist, liegt auch Tragik nicht fern. Nämlich genau hier - auf dem harten Boden der Tatsachen; einer wenig Hintern schmeichelnden Holzbank in einer Hamburger Bierbar. Hier sitze ich und fröne meinem Lieblingshobby, nämlich Leute beim B(i)e(r)trinken zu belauschen. Gerade als ich dabei bin, das Biermenü ein zweites Mal akribisch zu studieren, um meinen nächsten Drink strategisch schlau zu wählen, werden meine Gedanken jäh von einem Unsatz generischer Ignoranz wie ein stumpfer Dolch in mein Hopfenherz getroffen.


„Puh, nee, lass mal. Echt jetzt, ich will einfach nur ein Bier.“ so der Mann vom Nebentisch - ein nicht ganz unattraktiver Durchschnittstyp wie er im Einzelhandels-Katalog die Herrenmode 50+ für Lebemänner mit Feinkostgewölbe präsentieren könnte - zum bieratenden Kellner. Dabei hatte dieser doch gerade minutenlang und voller Hingabe die Spitzenauswahl der aktuellen Bierkarte rauf- und runtergebetet und in Waldorfschulen-Marnier all die herrlichen Bierstile vorgetanzt. Kabumm - und dann so eine Abfuhr. Was für eine Ernüchterung.

                              Warum könnt ihr Otto-Normal-Biertrinker euch nicht etwas mehr anstrengen?

Geht ihr auch ins Fashionfachgeschäft mit dem Anspruch „Einmal Kleidung, bitte.“? Bestellt ihr beim Italiener „Eine Pasta.“? Und an der Kinokasse „Einen Film.“? Nein, das ist doch Unsinn?
Macht es denn mehr Sinn einer ankonditionierten Naivität hinterher zu dackeln wie der Hund seinem Leckerli? Ist es euch wurst, dass „bekannt aus Funk und Fernsehen“ kein Qualitätsmerkmal ist? Und ein Bier nicht automatisch ein Pils (oder im Süden ein Helles)?

Wenn all die besonderen Dinge des Lebens im Sumpf der Verallgemeinerung versinken, ist auch die traditionsreiche, deutsche Bierkultur verdammt zum Schema B. Schema Blöd. Ja, unsere Gesellschaft verdummt. „Dumm ist der, der Dummes tut“, das wusste schon Forrest Gump. Und so werdet ihr auf der Parkbank des Lebens auf den Bus wartend versauern.

 

Also, liebe BiertrinkerInnen dieser Welt, strengt euch doch mal ein bisschen mehr an.

Seid neugierig, seid offen und probiert! Vielfalt schmeckt besser als Einfalt, versprochen.

In diesem Sinne: Guten (Wissens)durst!

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